Hütet Euch vor Dichtern, die nicht saufen! Sie bedeuten für die Literatur dasselbe, was die alten Jungfern für die Fortpflanzung des Menschengeschlechtes bedeuten.
Sie sind ein Greuel und eine große Gefahr. Wehe, wenn sie die Welt mit ihrem Laster strohtrockener Verse anstecken. Dann ist das Ende nahe herbeigekommen. Selbst Schiller trank Likör, aber, wenn er nicht trank, schrieb er diese bedenklichen Sachen, an denen heute noch sämtliche Gymnasiallehrer leiden. Shakespeare dagegen soff wie ein Loch.
Wie? Ihr fragt nach Belegen? Ja. Wenn ihrs nicht fühlt! Ich mache mich anheischig, bei jedem seiner Stücke zu sagen, was er damals gerade getrunken hat. Im Hamlet steckt viel Porter. Daher diese etwas schwermütige, aber immerhin sublim betrunkene Grundstimmung. Voll Whisky-Brandy ist Othello, doch mit einem Schuß Sherry. Ale, Ale und abermals Ale ist King Lear. Es ist das Hohelied des Ales. (...) Die ganze Literaturgeschichte, wohl gemerkt, so weit es sich um Verse handelt, ist nichts als eine große Tafel der Getränke.
(Otto Julius Bierbaum: Stilpe)